Galerie der alten Meister

Meister Tôde Sakugawa (1733 - 1815)

Sensei Tôde Sakugawa (Geburtsname: Kanga Sakugawa) wurde am 05. März 1733 in Shuri / Okinawa geboren. 

 

Er gilt gemeinhin als der erste Meister des Tôde, welcher die Kampfkunst auch an Außenstehende unterrichtete. Bis dahin war es in Okinawa Brauch, die Kampfkünste nur in der eigenen Familie zu unterrichten.

 

Vielfach wurden die Kampfkünste sogar nur an den erstgeborenen Sohn weitergegeben.

 

Sensei Sakugawa brach mit diesem alten Brauch, da er der Meinung war, daß hierdurch viele Kenntnisse in den Kampfkünsten verloren gingen, sollten die Meister aus einer kinderlosen Familie stammen.

 

Ihm ist es zu verdanken, daß Karate einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

 

Zu seinen Schülern zählten viele später herausragende Karatemeister Okinawas, unter ihnen auch der spätere Gründungsvater des Shorin-Ryu Karate, Bushi Sokon Matsumura.

 

Sensei Sakugawa unternahm in seinem Leben mehrere zum Teil ausgedehnte Reisen nach China, von denen er auch die zwölf Regeln des Wûde mit nach Okinawa brachte.

Spätere Meister faßten diese 12 Regeln dann zusammen und vereinfachten sie zu den noch heute bekannten 5 Dojokun des Karate.

 

 

Meister Sokon Matsumura (1792 - 1896)

 "Bushi" Sokon Matsumura wurde im Jahre 1792 in Shuri / Okinawa geboren. 

 

Im Alter von 19 Jahren begann er mit dem Studium der Kampfkünste unter dem berühmten Sensei Tôde Sakugawa.

 

Bis zum Tod von Meister Sakugawa studierte Sensei Matsumura die Kampfkünste bei seinem Lehrmeister und entwickelte sich schnell zu einem der talentiertesten Kampfkunstmeister Okinawas.

 

Aufgrund seines besonderen Talents wurde er schon frühzeitig in den Dienst des Königs gestellt und avancierte bald zum Chef der königlichen Leibgarde.

 

Er war der persönliche Leibwächter und Kampfkunstlehrer von insgesamt drei okinawanischen Königen.

 

Infolge seiner zahlreichen besonderen Leistungen wurde ihm vom okinawanischen Königshaus der Titel "Bushi" , was soviel wie "wahrer und ehrenhafter Krieger" bedeutet verliehen.

 

Meister Matsumura unternahm zahlreiche Reisen nach China, um sich dort in seiner Kampfkunst fortzubilden. Sein Karate war daher auch stark chinesisch geprägt.

 

Einen besonderen Einfluß auf Sensei Matusmura hatte wohl auch das Shaolin-Kloster mit seinen außergewöhnlichen Kampftechniken, schließlich bezeichnete Sensei Matusmura seine Kunst auch als "Shorin-ryu gokoku-an Karate", was etwa soviel wie "die Kampfkunst der Shaolin zur Verteidigung der Heimat" bedeutet.

 

Meister Sokon Matsumura ist somit der erste Kampfkunstmeister, welcher den Begriff Shorin-Ryu Karate prägte. Später folgten viele Kampfkunstmeister aus den Orten Shuri und Tomari seinem Beispiel und bezeichneten ihre Kampfkunstarten ebenfalls als Shorin-Ryu Karate.

       

Im Laufe seines langen Leben zeichnte sich Sensei Sokon Matsumura immer wieder durch außergewöhnliche Tapferkeit und großes Können aus. Er wurde so nicht nur auf Okinawa, sondern auch in China und Japan zu einer lebenden Legende, insbesondere sein Kampfkunstkönnen und seine Klugheit waren sageunumwoben.

 

Zahlreiche Legenden und Annektoden ranken sich um diesen Meister des Tôde.

 

Bushi Sokon Matsumura gilt als Stammvater des Shorin-Ryu Karate und als Gründer des nach ihm benannten Matsumura-Seito-Shorin-Ryu Karate, dem Familienstil von Sokon Matsumura.

 

Zu seinen Schülern zählten viele später sehr erfolgreiche Meister des Okinawa-Te, unter ihnen auch der berühmte Chotoku Kyan.

 

Auf Meister Sokon Matsumura gehen heute fast alle Shorin-Ryu Stile zurück.

 

 

Meister Kosaku Matsumora (1829 - 1898)

Sensei Kosaku Matsumora wurde am 18.03.1829 in Tomari / Okinawa geboren.

 

Er erlernte die Kampfkünste bei einem chinesischen Kampfkunstmeister namens Anan. Der Überlieferung nach war dies ein chinesischer Schiffbrüchiger, welcher in einer Höhle nahe der Grabhügel im Norden von Tomari lebte.

 

Es kann angenommen werden, daß Meister Anan Sensei Matsumora in dem chinesischen Stil des Weißen Kranichs unterrichtete. Zumindest sind in dem, auf Meister Matsumora zurückgehenden Karatestil zahlreiche Elemente dieses chinesischen Stils zu finden.

 

Ein Rollbild, welches Meister Anan Sensei Matsumora kurz vor seiner Heimreise nach China überreicht haben soll, stellt eine Frau in einer Kampfstellung mit einem Weidenzweig dar. Dies soll einen Hinweis auf den von Meister Anan unterrichteten Stil des Weißen Kranichs, welcher der Legend nach von der Tochter eines Shaolin-Meisters entwickelt wurde darstellen.

 

Neben diesem chinesischen Meister ging Sensei Matsumora auch bei einem Schüler von Sensei Tôde Sakugawa in die Lehre, hier erlernte er die Grundlagen der Kampfkunst seiner Heimat Okinawa.

 

Auch Meister Matsumora stand im Dienste des Königs und gehörte der königlichen Leibgarde an. Hier traf er sicher auch auf Sensei Sokon Matsumura und beide Meister tauschten ihre Kenntnisse in den Kampfkünsten aus.

 

Sensei Kosaku Matsumora gilt als der Begründer des Tomari-Te Stils im Shorin-Ryu Karate.

 

Auch er brachte zahlreiche spätere Meister des Okinawa-Te hervor.

 

 

Meister Choki Motobu (1871 - 1944)

Sensei Choki Motobu wurde am 5. April 1870 als dritter Sohn des Fürsten Choso Motobu in Akahira/Shuri geboren.

 

Bereits seit frühester Kindheit faszinierten ihn die Kampfkünste seiner Heimatinsel Okinawa. Jedoch wurde zu seiner Zeit die Kampfkunst nur an den erstgeborenen Sohn einer Familie weitergegeben und ansonsten vor der Öffentlichkeit noch weitgehend geheim gehalten.

 

Seinem unbändigen Drang die Kampfkünste zu erlernen tat dies jedoch keinen Abbruch, heimlich spähte er die Unterrichtungen seines älteren Bruders durch die Kampfkunstmeister seines Vaters aus und trainierte verborgen die vermeindlich erspähten Techniken.

 

Zur Abhärtung übet er auch häufig mit selbst gebauten Hilfsmitteln und Gewichten, um sich so für sein Kampfkunsttraining zu stärken und seine Techniken zu verbessern.

 

Schließlich gelang es ihm unter falschem Namen bei einem der berühmtesten Kampfkunstmeister seiner Zeit, Sensei Anko Itosu, einige Unterichtseinheiten zu erhalten. Als Meister Itosu jodoch von dieser Täuschung erfuhr, beendete er den Unterricht mit dem jungen Motobu.

 

Sein nächster Lehrmeister wurde Sensei Kosaku Matsumora, welcher ihn als Schüler annahm und ihn in die tieferen Geheimnisse der okinawanischen Kampfkünste unterwies. Von Meister Matsumora erlernte er unter anderem die alte Kata Naifanchi, welche später zum Grundstein seines eigenen Kampfkunststils werden sollte.

 

Meister Choki Motobu trainierte hart und intensiv und erlangte so herausragende Fähigkeiten in den Kampfkünsten. Es ist bekannt, daß er seine Kampfkünste auch des öfteren bei verschiedenen Gelegenheiten unter Probe stellte.

 

Die bekannteste und sicher auch die wichtigste Begebenheit ist wohl der Kampf mit einem westlichen Boxer im Jahre 1924 in Japan. 

 

Viel wurde über diesen Kampf berichtet und aufgrund eines Zeitungsfehlers wurde der Ruhm für diesem Kampf später einem ganz anderen Karatemeister zugeschrieben, obwohl dieser zum besagten Zeitpunkt nicht einmal in der Nähe war.

 

Der damals bereits 52-jährige Motobu besiegte den knapp halb so alten Boxer mit einem K.O. in der dritten Runde, was ihm vor Ort größten Ruhm einbrachte und im Anschluß dazu führte, daß nun zahlreiche Japaner diese "neue" Kampfkunst aus den südlichen Inseln erlernen wollten.

 

Sensei Choki Motobu ist es somit zu verdanken, daß das Karate aus Okinawa in den folgenden Jahrzehnten eine ungeahnte und weltweite Verbreitung erfahren sollte.

 

Meister Motobu verstarb am 2. September 1944 im Alter von 73 Jahren in Naha/Okinawa.

 

 

Meister Chotoku Kyan (1870 - 1945)

Sensei Chotoku Kyan wurde im Dezember 1870 in Shuri geboren. 

 

Die Familie Kyan gehörte dem okinawanischen Königshaus an. Sein Vater Chofu Kyan war ein enger Vertrauter des letzten okinawanischen Königs. Einige Experten nehmen sogar an, daß Meister Kyan unter bestimmten Voraussetzungen selbst einen Anspruch auf den okinawanischen Thron gehabt hätte.

 

Entgegen der allgemein gültigen Regel wurde der junge Chotoku als drittgeborenen Sohn trotz der geltenden Traditionen seiner Heimat in den Kampfkünste unterwiesen.

 

Dies stellt auch ein Indiez für die herausragende Position der Familie Kyan dar.

 

Die ersten Kampfkunstlehrer waren sein Vater und sein Großvater, welche selbst angesehene Kampfkünstler auf Okinawa waren.

 

Alsbald wurde sein Unterricht fortgeführt von dem berühmten Meister "Bushi" Sokon Matsumura. 

 

Zu seinen weiteren Lehrmeistern gehörte der Enkel des auf Okinawa legendären Meisters Chatan Yara, Kiatake Yara. Ferner bildeten ihn auch die Meister Kosaku Matsumora, Peichin Oyadomare und Peichin Tokumine aus (Peichin war ein Titel, der den Angestellten des Königs verliehen wurde).

 

Von seinen zahlreichen Lehrmeistern lernte er die Geheimnisse der Kampfkünste Okinawas und die einschlägigen Kata seiner Heimat kennen.

 

In Meister Kyan vereinigten sich somit einige alte Linien der okinawanischen Kampfkunst in einer Person.

 

Aufgrund seiner umfangreichen Erfahrungen begann er schon früh, eigene Konzepte zu entwickeln und so die verschiedenen Strömungen der Kampfkunst seiner Heimat weiter zu vereinigen. 

 

Er gehörte zu den angesehensten und größten Meistern seiner Zeit. Aus seiner Lehre gingen später viele Meister des modernen Okinawa-Karate hervor. 

 

Sensei Chotoku Kyan überlebte den Kampf um Okinawa im 2. Weltkrieg, starb aber in der Folgezeit am 20. September 1945 an Unterernährung, da er nahezu seine gesammten Lebensmittelrationen an die notleidenden Kinder seiner Heimat weitergab.

 

Seine Maxime lautete:

 

"Lerne, sei stets bescheiden und helfe wo Du kannst."

 

 

Meister Kotaru Nitta (1880 - 1965)

(in Okinawa auch als "Bushi" Chatan Chista bekannt)

 

Sensei Kotaru Nitta wurde im Jahre 1880 in Chatan / Okinawa geboren.

 

Da er zu den unbekannteren Meistern des Okinawa-Karate gehört, stützen sich die Angaben über sein Leben und Wirken hauptsächlich auf die Informationen seines Enkels, unseres Lehrmeisteres Hanshi Seifuku Nitta.

 

Meister Kotaru Nitta erlerne demnach die Kampfkünste zunächst von seinem Vater, wie es in den Kampfkunst betreibenden Familien Okinawas Brauch war. 

 

Später setzte er sein Kampfkunststudium bei Sensei Sanda Kanagushuku fort. Dieser Meister war der Waffenkampfausbilder des okinawanischen Königshauses und gilt als Begründer des heute sehr seltenen Ufuchiku-Kobujitsu.

 

Hier erlernte Sensei Kotaru Nitta unter anderem die Grundlagen des Waffenkampfes kennen und vereinigte diese mit dem Kampfkunststil seiner Familie.

 

Im Alter seiner Reife setzte er sein Kampfkunststudium dann mit den Meistern Chotoku Kyan und Choki Motobu fort.

 

Insbesondere mit Meister Kyan verband ihn eine enge Freundschaft und ein intensives gemeinsames Studium der Kampfkünste.

 

Zu diesem Zeitpunkt war Sensei Nitta aber selbst bereits ein anerkannter Meister der Kampfkünste, weshalb er auch als Weggefährte und Trainingspartner von Meiser Chotoku Kyan gilt.

 

Dennoch beeinflusste ihn Sensei Kyan und seine besondere Ausführung der Kampfkünste nachhaltig, wodurch zahlreiche Elemente des  typischen Kyan-Stils Einzug in den Kampfkunststil der Familie Nitta hielten.

 

Aufgrund seiner herausragenden Leistungen im Bereich der Kampfkünste und durch seine besondere Wesensart wurde ihm noch zu Lebzeiten der Ehrentitel "Bushi"  zuerkannt.

 

Sensei Kotaru Nitta starb im Jahre 1965 im Alter von 85 Jahren.

 

 

Hanshi Seifuku Nitta (1942 - 2012)

Hanshi Seifuku Nitta wurde am 05. April 1942 in Chatan Cho / Okinawa geboren. Seine Kampfkunstlaufbahn begann er im Jahre 1955, im Alter von 13 Jahren.

 

Sensei Nitta´s erster Lehrmeister wurde sein Großvater Kotaru Nitta, in Okinawa auch als Bushi Chatan Chista bekannt.

 

Bei ihm lernte Meister Nitta die Grundlagen des Okinawa Shorin-Ryu Karate und den besonderen Karatestil von Meister Chotoku Kyan, da sein Großvater Kotaru Nitta ein Trainingspartner und Weggefährte von Großmeister Chotoku Kyan war.

 

Nach 5-jähriger Ausbildung erreichte Sensei Nitta seinen 1. Dan.

 

Als sein Großvater mit über 80 Jahren zu alt für die weitere Ausbildung seines Enkels war, setzte Sensei Nitta seine Unterrichtung in den Kampfkünsten bei Meister Isa Kaishu weiter fort.

 

Sensei Kaishu gilt unter anderem als Stilerbe des sehr seltenen Ufuchiku- Kobujitsu, der Waffenkampfkunst der Leibgarde des Königs von Okinawa. Darüber hinaus ist er ein bekannter Shinto- Priester und gehört aufgrund seiner herausragenden Kampfkunstfähigkeiten zu den lebenden Kulturschätzen Okinawas. Hanshi Nitta studierte die Kampfkünste insgesamt für zehn Jahre unter der Leitung dieses herausragenden Meisters und erreichte hier den 4. Dan.

 

Ab dem Jahr 1970 setzte Meister Nitta seine Ausbildung dann unter Sensei Hohan Sokon, dem Stilerben von Bushi Sokon Matsumura´s Familienstil, dem Matsumura Seito Shorin-Ryu Karate fort. Mit Meister Hohan Sokon trainierte Sensei Nitta bis zu dessen Tod im Jahre 1982 und erreichte hier den 6. Dan.

 

Danach führte ihn sein Studium der Kampfkünste zu Meister Seiki Toma, einem auf ganz Okinawa anerkannten Experten des alten Okinawa-Te.

 

Nach einer weiteren 10-jährigen Ausbildung erreichte Sensei Nitta schließlich im Jahre 1992 unter Anerkennung seiner bis dahin gezeigten Leistungen den 10. Dan im Okinawa Shorin-Ryu Karate. Darüber hinaus wurde ihm von Großmeister Seiki Toma der Ehrentitel "Hanshi" verliehen.

 

Hanshi Seifuku Nitta stand bis zu seinem Tod im Jahre 2012 seiner Kampfkunstschule, dem Ken Sei Dokukai vor und war Ehrenvorsitzender des Zen Sekai Bujitsu Kyokai, der Internationalen Vereinigung der Kampfkünste (UMAA).

 

Darüber hinaus war er der einzige okinawanische Karatemeister weltweit, welcher vom japanischen Kaiserhaus geehrte wurde und die Berechtigung erhielt, das kaiserliche Wappen, die Chrysanthemenblüte fortan in seiner Karateschule zu führen.

 

Zu seinen Lehrmeistern gehörten einige der berühmtesten Großmeister des Okinawa-Karate aus den verschiedensten Stilrichtungen, aus diesem Grund vereinigte sich in Hanshi Seifuku Nitta ein umfangreiches und einzigartiges Wissen über die Kampfkünste Okinawas.

 

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Sensei Nitta verstarb nach langem und zähem Kampf gegen den Krebs am 04.07.2012 in Okinawa.

 

Mit ihm verliert die Welt nicht nur einen der letzten Großmeister des Okinawa-Karate, sondern auch einen der großartigsten Menschen, denen wir jemals begegnen durften.

 

Es ist uns daher eine besondere Ehre und eine innere Verpflichtung, seine Lehren an unsere Schüler weiter zu geben und somit seinen Geist am Leben zu erhalten.

 

"Ruhe in Frieden geliebter Meister"